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Kommunales Energiemanagement für Döbeln


daz_logo(Döbeln/04.03.2010) Mit der Vorstellung seines Zwölf-Punkte-Programms stand FDP-Mann Jörg Neumann im Rampenlicht der jüngsten Stadtratssitzung am 4. Februar. Einer der vielen Vorschläge für einen künftig stabilen Haushalt: Die Döbelner Straßenbeleuchtung muss sparsamer werden. Dem Döbelner Energieberater Heinz Böhle vom Ingenieurbüro für unabhängige Energieberatung gehen diese Stromsparvorschläge noch nicht weit genug. Er schlägt vor, sich in der westfälischen Partnerstadt Unna das dort sehr erfolgreiche Kommunale Energiemanagement abzugucken.
Rund 270 000 Euro zahlt die Stadt Döbeln pro Jahr für ihre Straßenbeleuchtung. Wenn modernere Lampen installiert würden, läge das Sparpotenzial bei etwa 50 Prozent. Mit einer effizienteren Straßenbeleuchtung ließen sich im Jahr weit über 100 000 Euro Stromkosten sparen. Andere Städte wie Hartha machten vor wie es geht, argumentierte Jörg Neumann im Stadtrat.

Das sieht auch Energieberater Heinz Böhle so. Die Kosten auf den Prüfstand zu stellen, sei eine sinnvolle Sache. „Es gibt vielfältige technische und organisatorische Möglichkeiten zur Kostenreduzierung bei der Straßenbeleuchtung“, weiß Böhle. Doch er ist skeptisch. Denn umsetzen muss dies der Anlagenbetreiber der Straßenbeleuchtung. Das sind in Döbeln die Stadtwerke. Sie sind gleichzeitig auch die Stromlieferanten, die den Strom für die Straßenbeleuchtung an die Stadt verkaufen. „Als im Jahr 2000 die Betriebsführung der Straßenbeleuchtung von einem privaten Betreiber an die Stadtwerke übertragen wurde, habe ich die Stadtverwaltung auf diesen Interessenkonflikt hingewiesen“, so Böhle. Er fühlt sich durch bundesweite Untersuchungen bestätigt, die feststellen, dass Städte, in denen die eigenen Stadtwerke die Straßenbeleuchtung betreiben, deutlich höhere Kosten haben, als Städte mit anderen Anlagenbetreibern. Für Böhle ist das logisch, die Stadtwerke wollten doch Strom verkaufen und nicht einsparen.
Er schlägt deshalb vor, dass die Stadt Döbeln beim Energiekostensparen nicht sporadisch einzelne Bereiche wie die Straßenbeleuchtung untersucht sondern erst einmal grundlegende Strukturen schafft. „In Döbelns westfälischer Partnerstadt Unna gibt es bereits seit 1993 ein Kommunales Energiemanagement (KEM). Seitdem wurden dort die Energiekosten aller öffentlichen Einrichtungen nahezu halbiert“, so Böhle. Ein solches Energiemanagement könne auch in Döbeln aufgebaut werden. Entsprechende Maßnahmen zur Energieeinsparung rentierten sich meist schnell und würden sogar noch gefördert. Döbeln habe hier einen großen Nachholbedarf. Zumal es vielfältige Sparmöglichkeiten gebe, die wenig oder gar nichts kosten, die nur gefunden und in Angriff genommen werden müssten. Dazu sei aber auch im Stadtrat ein Umdenken erforderlich.
„Die Straßenbeleuchtung soll ein erster Schritt zu mehr Einsparungen sein. Irgendwo muss man ja anfangen“, sagt dazu Döbelns Stadtkämmerer Gerd Wockenfuß. Vergangene Woche gab es bereits in der Sitzung des Hauptausschusses erste Beratungen. Denkbar sind dabei nicht nur das Ersetzen der Straßenlampen durch neue Energiesparleuchten, auch ein Dimmen der Beleuchtung sei denkbar. Fakt sei aber, so Wockenfuß, dass die Stadtwerke als Betriebsführer der Straßenbeleuchtung an die getroffenen Maßnahmen zur Energieeinsparung gebunden sind.
Nach Informationen von Unnas Stadtpressesprecher Uwe Hasche sank seit der Einführung des Kommunalen Energiemanagements (KEM) für alle kommunalen Gebäude der Stadt Unna der Energieverbrauch für die Beheizung witterungsbereinigt um 36,8 Prozent. Der Stromverbrauch sank um 32,7 Prozent, der Wasserverbrauch um 69,4 Prozent. Die Ausgaben für Energie und Wasser gingen damit trotz zum Teil erheblicher Preissteigerungen deutlich zurück. Das KEM hat damit bisher in Unna nach Abzug von Investitionen und Eigenkosten eine Nettoeinsparung von 5,7 Millionen Euro bewirkt. Die eingesparten Gelder konnten für andere, dringende und notwendige Aufgaben der Stadt verwendet werden. Zudem wurden die CO2-Emissionen aller städtischen Gebäude um die Hälfte reduziert.

 

Quelle: Döbelner Allgemeine Zeitung

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